Rückblick: 10.000 m-Läufe bei den Olympischen Spielen 2012

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An diesem Wochenende sind wir Zeugen der ersten leichtathletischen Highlights bei den Olympischen Spielen in London geworden. Für uns Ausdauerläufer besonders interessant sind wohl die Resultate bei den Langstreckenwettbewerben. Insbesondere der 10.000 m-Lauf der Männer im Rund des Olympiastadions hatte es in sich.

Doch blicken wir zunächst auf das Frauenrennen am Freitagabend zurück: Olympiasiegerin wurde die wiedererstarkte Mitfavoritin Tirunesh Dibaba aus Äthiopien in 30:20,75, die sich auf der letzten Runde gegen die starke Konkurrenz aus Kenia (Silber: Sally Jepkosgei Kipyego, Bronze für die am höchsten gehandelte Favoritin Vivian Jepkemoi Cheruiyot) durchsetzen konnte. 
Unsere “Mocki” landete auf Platz 17 mit einer Zeit von 31:50,35. Damit blieb Sie doch deutlich hinter ihrer Bestzeit von 31:14,21 aufgestellt im Olympia-Lauf von Peking 2008. Unter Berücksichtigung ihrer jüngeren Gesundheitsgeschichte und dem Rennverlauf, kann man vor dieser Leistung nur den Hut ziehen. Ich hatte den Eindruck, dass sie alles gegeben hat und gratuliere ihr zu einer beachtlichen kämpferischen Leistung.
Der erste Blick auf die Ergebnisliste lässt erkennen, dass der Frauenlauf ziemlich flott war. 10 der ersten 14 Athletinnen liefen persönliche Bestzeit. Hinzu kommen 3 Saison-Bestleistungen, u.a. von Siegerin Dibaba. Dabei startete das Rennen eher zurückhaltend (wenn man auf diesem Niveau davon sprechen kann), mit Kurs auf 31:00,00 bis 31:10,00. So wurde die 5.000 m-Marke in 15:31,42 durchlaufen.  
Mit dem 6. Kilometer zog das Tempo deutlich an (3:00,00). Die weiteren Kilometer bis zur 9.000 m-Marke wurden jeweils zwischen mit 3:04,7 und 2:57,3 gerannt. Wie es so oft in der Weltspitze der Fall ist, entschieden die letzten 400 m über die Vergabe der Medaillen. Mit einem langgezogenen Endspurt setzte sich Dibaba deutlich von den Verfolgerinnen ab. Kilometer 10 in 2:45,7. Die zweite Rennhälfte wurde in 14:48,7 absolviert. Nachstehende Tabelle gibt einen Überblick:

Als eines der spannendsten 10.000 m-Taktik-Rennen der olympischen Sportgeschichte geht das gestern Abend ausgetragene Männerrennen ein. Und das nicht ausschließlich aufgrund des spannenden Rennverlaufs allein, sondern durch die sportlich ausgeteilten, schallenden Ohrfeigen für die Phalanx aus Äthiopien und Kenia. 
Olympia-Sieger Mo Farah (GBR, somalische Wurzeln) erreichte in 27:30,42 das Ziel – lediglich eine halbe Sekunde vor den momentan so unglaublich starken US-Amerikaner Galan Rupp (Bestzeit aus dem letzten Jahr in Brüssel: 26:48,00). Beide sind Mitglied des geheimnisvollen Oregon-Projekts um Läufer- und Trainerlegende Alberto Salazar. Bronze gewann Tariku Bekele (ETH) 27:31,4 – eine Sekunde vor seinem Bruder Kenenisa. Jener wirkte im gesamten Rennverlauf sehr angestrengt und weitaus geforderter als gewohnt. 
Das 29 Teilnehmer starke Männerrennen wurde, im Verhältnis zum Frauenrennen, deutlich zurückhaltender angegangen. Die Kilometer 1 und 2 wurden in 2:54,9 und 3:04,7 gelaufen. Mit Kilometer 3 zog das Tempo an (2:42,9). In diesem Bereich blieb das Tempo bis zum 7. Kilometer. Dieser wurde mit 2:39,9 der Zweitschnellste des Rennens. Durchgangszeit an der 5.000 m-Marke: 14:05,8.

Nach mäßig-zügigen 2:46,5 auf Kilometer 9 startete auf der letzten Runde des 10. Kilometers der große Sprint-Showdown. Mo Farah setzte sich an die Spitze und zog im Alleingang durch. Die letzte Runde absolvierte er in 53,4 Sekunden (!). Über jene Endspurt-Qualitäten verfügte Favorit K. Bekele nicht. Beachtlich ist dennoch, dass er – seinen Bruder ausgenommen – und trotz vermeidlicher Formschwäche, die restliche Konkurrenz aus Ostafrika in Schach halten konnte. G. Rupp überholte Tariku Bekele erst auf den letzen 100 Metern. Zum Staunen die Zeit des letzten Kilometers: 2:28,5.


Zudem machte das Rennen deutlich, dass die “hellhäutigen”, nordamerikanische Läufer ungebrochen im Aufwind sind und den Anschluss an die Weltspitze hergestellt haben. Neben Galan Rupp, gelangen dem Kanadier Cameron Levins und dem US-Amerikaner Dathan Ritzenhein eine Top 15-Platzierung mit Zeiten jeweils deutlich unter 28:00,0 (beide haben Bestzeiten unter 27:30,00). Das ist in Anbetracht der bisherigen Dominanz aus Ostafrika erst einmal sachlich festzuhalten. 
Diese beiden Stadion-Rennen machen jedenfalls Lust auf mehr. Somit blicken wir mit Vorfreude auf die weiteren Langstrecken-Wettbewerbe…

1 Kommentar

  • Danke für die Auflistungen!

    Besonders interessant finde ich, dass bei den Frauen nach fünf Kilometern das Tempo deutlich angezogen wurde, während bei den Männern nur die ersten beiden Kilometer "langsam" waren.

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