Alles für die Tonne?! Über den Nutzen von Kälteanwendungen für die Regeneration

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Momentan regiert die Fußball-Weltmeisterschaft die Sportwelt. Und spätestens seit den Tweets vom sonst so besonnenen, zuletzt jedoch hitzköpfig auftretenden deutschen Nationalspieler Per Mertesacker, rätseln nicht nur Sportlaien, was es mit diesen Eistonnen auf sich hat. Eins kann ich schon verraten: Sie dienen nicht (nur) zur Abkühlung der Gemütslage.

Eistonne Tag 1 … läuft ! Ice Cubes Day 1 … work in progress! #BFG #wc2014 #fussballerfloskeln @DFB_Team pic.twitter.com/pJbOkcLyIw
— Per Mertesacker (@mertesacker) 1. Juli 2014

Sogenannte Cooling-Maßnahmen werden im Leistungssport schon seit einigen Jahrzehnten erfolgreich angewandt, sei es in der Phase der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung unter Hitzebedingungen oder in der Regenerationsphase. In der Sportpraxis existieren verschiedene Cooling-Techniken. Allein das Kühlmedium kann unterschiedlicher Art sein, z.B. aus Wasser, Eis, Luft oder künstlich hergestellten Kühlmedien (z.B. Kühlgels).

Eine Variante ist die Anwendung von Eisbädern, vornehmlich mit dem Zweck die Regeneration nach einem Wettkampf zu unterstützen und zu beschleunigen. Dabei ist der Begriff insofern irreführend, als dass die Wassertemperaturen mit 8 bis 15 Grad Celsius deutlich über dem Gefrierpunkt liegen.

Bei der Anwendung ist zu beachten, dass der Körper möglichst vollständig mit dem Kühlmedium bedeckt ist. Die Anwendungsdauer beträgt bspw. 2x 4 Minuten, mit 2 min Ruhephase (oder auch 7 bis 8 Minuten am Stück).

Durch die Kälteapplikation verspricht man sich folgende Effekte:

  1. Eisbäder reduzieren die belastungsinduzierten Entzündungsreaktionen, die durch Mikroschäden – aufgrund der mechanischen Beanspruchung – in der Muskulatur entstehen. Durch den Kältereiz wird die Durchlässigkeit der Zellmembranen herabgesetzt, so dass entzündungsfördernde Stoffe in geringerer Dosierung in die Muskelzelle gelangen.
  2. Durch den hydrostatischen Druck in einer Eistonne entsteht ein Kompressionseffekt auf das Gewebe. Dieser reduziert die Wahrscheinlichkeit von Schwellungen (Ödemen), die aufgrund muskulärer Mikrotraumen entstehen können.
  3. Eisbäder senken die Körperkerntemperatur. Dieser Effekt ist unmittelbar nach Wettkampfende unter Hitzebedigungen wünschenswert. Im Fall von Per Mertesacker und seinen Nationalelf-Kollegen ist das von untergeordneter Bedeutung.
  4. Eisbäder senken das Schmerz- und Muskelspannungsempfinden. Dieser Effekt betrifft vornehmlich die Wahrnehmungsebene, die von der Körperlichen nur schwer getrennt zu betrachten ist. Ob sich ein Athlet wieder „fitter“ fühlt wird von den physiologischen Tatsachen, als auch von psychologischen Komponenten bestimmt.

Der Nutzen von Kälteanwendungen, ob zwecks Leistungsoptimierung oder Regeneration sind in Fachkreisen unverändert umstritten. Systematische, wissenschaftliche Reviews sind rar. Dennoch gibt es einen reichen Schatz an Erfahrungswissen aus den verschiedensten Sportarten, der darauf hindeutet, dass Sportler solche Maßnahmen positiv aufnehmen und sich die Regenerationsdynamik zum Positiven verbessert.

Auch Läufer könen in Wettkampf-, intensiven Trainingsphasen oder nach einem Wettkampf-Highlight (z. B. nach einem Marathon) von Eisbädern profitieren. Nicht jeder wird sich eine DFB-Eistonne besorgen können, doch auch ausgiebiges Kaltwasser-Intervallduschen oder ein Bad (in der Wanne oder einem kleinen Planschbecken), angereichert mit Eiswürfeln, versprechen zunächst kühle, dann aber vor allem erholsame Momente.

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