Peak Performance: 7 Gewohnheiten erfolgreicher Läufer

P

Über die Geheimnisse der Höchstleister unserer Spezies wurden bereits meilenhohe Stapel Ratgeber verfasst. Die meisten sind zwar mit verkaufsfördernden Titeln ausgestattet (der Wettbewerb ist hart), bleiben dabei inhaltlich und mehrheitlich hinter den Erwartungen zurück. Das liegt auch am nicht einzulösenden Anspruch der Autoren, aus der Biografie erfolgreicher Menschen einen monokausalen Zusammenhang zwischen beobachteten Verhalten und der Qualität des beruflichen und privaten Erfolgs herzuleiten.

Mit Peak Performance: Take Advantage of the New Science of Success ist abermals ein verführerischer Titel aufgetaucht, der aus zwei weiteren Gründen meine Neugier geweckt hat: Zum einen ist Steve Magness einer der beiden Autoren. Als Querdenker und Laufcoach auf internationalem Level, hat er bereits viele Artikel auf diesen Seiten inspiriert. Seine Ausführungen wirken stets down to earth , nicht sensationslüstern und in der Mehrzahl wissenschaftlich fundiert. Zum anderen ist letztgenannter Punkt spannend. Magness’ und Stulbergs Thesen fußen auf wissenschaftliche Erkenntnisse und auf strukturierte Interviews mit Meistern ihre Klasse, im Bereich Forschung, Musik, Sport, Kunst etc.

Wohlwissend, dass bei diesem Thema immer ein wenig Unschärfe erhalten bleibt, haben die beiden ein erhellendes Buch geschrieben, das zum Nachahmen beim Erreichen der persönlichen Ziele anregt. Deshalb versuche ich an dieser Stelle 7 grobkörnige Ansätze zu extrahieren, die für uns Läufer hilfreich sein könnten, die persönliche Peak Performance laufenderweise abzurufen.

1. Erfolgreiche Läufer hinterlegen sportlichen Zielen (oft) einen höheren Sinn

Sportliche Ziele, zum Beispiel Zeit-Ziele, sind für jene kein Selbstzweck, sondern Bestandteil einer persönlichen Berufung, etwas in den persönlichen Glaubenssätzen höher angelegtes. Der Leistungssport ist im Selbstbild verankert, maßgeblicher Teil der eigenen Identität. Das Leiden im Trainingsalltag wird dahingehend umarmt, als Teil der Arbeitsethik verstanden (und damit erträglicher), das leistungssportliche Treiben als Privileg empfunden. Sie empfinden Dankbarkeit dafür, dass sie auf exzellenten Niveau Sporttreiben dürfen. Manche berichten, dass Leistungssport als spirituelle Erfahrung wahr- und angenommen wird. Training und Wettkampf verwandeln sich in eine Art Gottesdienst oder Ritual der Demut.

2. Erfolgreiche Läufer lernen sich beim „Unwohlfühlen“ wohl zu fühlen 

Wir kennen das: Training im Entwicklungsbereich schmerzt, überlange Einheiten entziehen schleichend jegliche Kraft. Viele Hobbysportler machen den Fehler, verordnete Trainingsbelastungen, unabhängig von Tagesform und Körperempfinden, durchziehen zu wollen. Das führt nicht selten zum Trainingsabbruch und zur Beeinträchtigung der zukünftigen Leistungsmotivation. Erfolgreiche Läufer orientieren sich in solchen Situationen immer wieder zurück zum Sweat Spot, reduzieren also die Belastung und sichern somit einen adäquaten Trainingsreiz. Frei nach dem Motto: „Struggle, don’t fail!“. Genau dabei hilft die starke Verankerung des Sporttreibens im eigenen Wertegerüst (s.o.).

3. Erfolgreiche Läufer achten das Prinzip von Belastung und Erholung 

Ich glaube, dieses Prinzip habe ich häufig genug benannt: Ohne die richtige Dosis Erholung erfolgt keine (optimale) Leistungsadaptation. Die besten Athleten lernen frühzeitig Erholungsphasen und Schlaf als essentiellen Teil des Trainings zu verstehen. Erholung wird oft mit Nichtstun gleichgesetzt, was wiederum für viele mental schlecht aushalten. Doch selbst absolute Ruhe bleibt ein aktiver Prozess und zwar insofern, als dass der Körper in dieser Zeit aufbauende Prozesse einleitet, die zur Leistungssteigerung führen. Die einfache Formel lautet: die richtigen Trainingsmaßnahmen + die richtigen Erholungsmaßnahmen = sportliches Wachstum.

4. Erfolgreiche Läufer führen (stumme) Selbstgespräche

Selbstgespräche sind Teil eines guten Mentaltrainings und können in verschiedenen Spielarten geführt werden. Zurechtgelegte Mantras, wie „Jetzt durchziehen!“ oder das berühmte „Shut up, legs!“ von Jens Voigt tragen dazu bei, Belastungsschmerz besser zu ertragen. Auch in der Rennvorbereitung können Rennszenarien im inneren Dialogen besprochen werden. Hierbei geht es darum, mögliche Situationen zu antizipieren, um im Rennen immer einen Plan B zu haben. Eine spielerische Variante in der Phase der Rennauswertung: „Was würdest Du einen guten Freund empfehlen, zukünftig zu tun?“. Grundlage für die Wirksamkeit solcher Maßnahmen: die Offenheit diese Techniken zuzulassen und nach der Rückschau zu variieren.

5. Erfolgreiche Läufer suchen Kontakt zu den Besten 

Die Besten verfügen über eine positive Denkstruktur, sind aus sich heraus motiviert (nicht dominant durch äußere Anreize, wie Geld), wollen (spielerisch) besser werden und scheuen nicht den Wettkampf – was die Akzeptanz von Niederlagen miteinschließt. Sie suchen stets neue Impulse durch gute Trainer und gute Mitstreiter – auch in neuen Trainingsgruppen. Das erfordert Offenheit und den richtigen Grad an Risikobereitschaft.

6. Erfolgreiche Läufer fokussieren sich …

… und zwar auf Aspekte, die in ihrer Kontrolle stehen , z.B. die Trainingsausführung, Ernährung, Freizeitgestaltung, Materialwahl etc. Eine positive Denkweise leitet das Handeln, das Hadern mit schlechtem Wetter, schlechter Strecke, schlechter Tagesform, unfairen Kontrahenten hemmt letztendlich. Sie fokussieren sich auch dahingehend, dass Sie im Trainings- und Wettkampfprozess Zwischenziele ansteuern („Salami-Taktik“, Prozessorientierung), das große Wettkampfergebnis ist zwingendes Resultat aus dem Erreichen der Zwischenziele, insofern diese richtig definiert sind. Das wiederum erfordert Erfahrung und Expertise.

7. Erfolgreiche Läufer bilden Routinen

Routinen machen Handlungen kognitiv einfacher und geben Sicherheit. Erfolgreicher Läufer bilden eine Vielzahl von Routinen aus, die im ganzen Tagesablauf wirken. Insbesondere vor wichtigen Trainingseinheiten und Wettkämpfen können sie wirkungsvoll einstimmen. So mancher Trainer empfiehlt seinen Athleten sich vor Wettkämpfen zu entspannen, zum Beispiel durch Entspannungsverfahren oder Musik. Eine zu vagotoner Zustand ist für Läufer jedoch eher leistungshemmend. Insofern ist es ratsam, nach einer Phase der Entspannung, sich rechtzeitig (z.B. 2 Stunden) in den Wettkampfmodus zu hieven. Viele Athleten schildern, dass das leichtes Stressempfinden im Gros förderlich ist.

Kommentieren

Die Themen auf Laufschritte