Mentale Stärke im Laufsport: Wie „Sisu“ bist Du?

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Der Befund ist nicht neu, dass mentale Fähigkeiten direkten Einfluß auf sportliche Ergebnisse ausüben. Noch immer erschließen viele Ausdauersportler nicht in das Potenzial, welches im mentalen Training steckt. Das ist erstaunlich, weil ambitionierte Athleten sehr viel Zeit auf die Optimierung von Trainingsplanung und Anschaffung von kostspieligem Equipment verwenden.

Sportpsychologin und Ironman-Siegerin Joanna Zeiger entwickelte in einer Forschungsarbeit ein Verfahren, dass die mentale Stärke („mental toughness“) von Ausdauersportlern, in 8 verschiedenen Dimensionen, erfasst. Über das sogenannte „Sisu-Quiz“ kann sich auch heute noch jeder Ausdauersportler ein solchen Profil erstellen lassen. Zeiteinsatz: ca. 5-10 min.

Das Wort „Sisu“ kommt aus dem Finnischen und hat keine direkte Übersetzung. Es bedeutet so viel wie „Willensstärke, Beharrlichkeit oder Kampfgeist in existenziellen Notsituationen und erschöpfter psychischer sowie physiologischer Kapazitäten“.

Die 8 Dimensionen des Sisu-Quiz sind Folgende:

  1. Confidence / Vertrauen, Bespiel: „Ich habe alle Fähigkeiten, um im Wettkampf meine Leistungsziele zu erreichen“
  2. Control / Selbstkontrolle: „Ich mache mir keine Sorgen darüber, dass ich eine schlechte Leistung zeige“
  3. Constancy / Standhaftigkeit: „In schwierigen Situationen gebe ich nicht auf“
  4. Determination / Zielstrebigkeit: „Die Ziele, die ich mir gesetzt habe, lassen mich mich Tag für Tag daran arbeiten“
  5. Visualization / Vorstellungskraft: „Ich visualisiere das Wettkampfgeschehen und nehme Situationen vorweg“
  6. Self-Belief / Zuversichtlichkeit: „Im Wettkampf denke ich überwiegend positiv“
  7. Positive Cognition / Wahrnehmungssteuerung: „Ich kann mich von negativen Gedanken schnell frei machen und den Fokus wiederfinden“
  8. Self-Esteem / Selbstachtung: „Insgesamt bin ich mit mir zufrieden“

In die Ergebnisse flossen die Auswertungen von 1.245 Teilnehmern ein, die zu 53% weiblich waren, älter 18 Jahre sein mussten. Zirka 37% der Teilnehmer kamen aus dem Laufsport, 54% aus dem Triathlon. Die Sportler ließen sich ex post 3 verschiedenen Gruppen zuordnen: High, Moderate und Low Mental Toughness.

Beim Gruppenvergleich zwischen „High“ und „Low“ zeigte sich, dass diejenigen mit folgenden Eigenschaften signifikant häufiger der Gruppe „High“ zuordnet werden konnten: männlich, wettkampferfahren, fortgeschrittenes Alter und Trainingsalter, hohes Leistungsniveau (regelmäßige Top10-Platzierungen, Trainingsumfang). Der höchste Bildungsabschluss und die ausgeübte Sportart hatten keinen Einfluß auf das psychologische Profil.

Die Autorin hebt hervor, dass die jeweiligen Profile Momentaufnahmen sind und sich gut trainieren lassen. Auf Basis der Auswertung lässt sich leicht an den leistungsrelevanten Schwächen ansetzen. Joanna Zeiger hat daraus ein kommerzielles Angebot entwickelt und vermarktet Coachings und Onlinekurse auf Grundlage des Sisu-Quiz. Zur Güte der Angebote kann ich keine Aussagen treffen.

Zeigers Erfahrungen bei Athleten mit geringer mentaler Stärker (Gruppe Low):

  • haben ein geringes Selbstvertrauen in Ihre eigenen Fähigkeiten und zweifeln an der eigenen Leistungsfähigkeit; verbringen viel Zeit mit negativen Gedanken, wie dem Vorwegnehmen und Folgen des Scheiterns; Ansatz: Techniken zur Steigerung der Selbstachtung (auch außerhalb des Sports), Visualisierungstechniken, positive Selbstgespräche üben

Sportler mit hoher „Mental Toughness“ seien hingegen innerlich sehr auf die sportlichen Aufgaben fokussiert und stark in der Selbstreflexion und Analyse der sportlichen Leistung. Sie nehmen selbstständig und intuitiv Änderungen in der Mentalstrategie vor. Gefahr ist, dass dieser Typ in bedeutungsvollen Wettkämpfen die Lockerheit verliert und physiologische Warnzeichen ignoriert.

Ich selbst habe auch am Sisu-Quiz teilgenommen. Allein als Reflexionsübung fand ich es hilfreich. Meinen zukünftigen Fokus werde ich auf Visualisierungstechniken legen, um Szenarien in Training und Wettkampf vorwegzunehmen. Ziel ist es, noch regelmäßiger mit einer hohen und positiven Leistungsmotivation in Training und Wettkampf zu gehen, aber auch mit Negativ-Szenarien (schlechtes Wetter, schlechter Schlaf, schlechter Rennverlauf) besser umgehen zu können.

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