Entdecke die Kraft von Zielen (neu)

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Ziele setzen im Laufsport, das ist doch selbstverständlich, oder etwa nicht? Möglichst SMART sollen sie sein, also spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert.

Beispiel: „Den Köln Marathon am 13.10. laufe ich unter 2:50 h“.

Gute Ziele helfen dabei den persönlichen Fokus zu finden, helfen beim Überwinden von Hürden und Herausforderungen und helfen beim Bewältigen von Krisen in Training und Wettkampf. In der Praxis ist aber gar nicht so einfach, Ziele festzulegen, die alle Kriterien erfüllen. Dabei liegt es oft an drei Aspekten, dass Ziele nicht erreicht werden:

  1. Das Ziel ist nicht realistisch: Mit einer 10 km-Zeit von 42 min, werde ich sehr wahrscheinlich nicht das oben genannte Marathonziel erreichen. Auch nicht, wenn die Veranstaltung noch 12 Wochen in der Zukunft liegt. In einem solchen Fall hilft das Feedback von erfahrenen Athleten oder Trainern, um ein realistisches Zielniveau zu finden.
  2. Noch gewichtigerer und vielleicht unterschätzter Aspekt: das Ziel ist nicht „attraktiv“ genug. Ein Ziel ist dann attraktiv, wenn es für mich als Person überaus bedeutungsvoll ist, es einen hohen persönlichen Wert hat. Oft sind mit dem Erreichen eines attraktiven Ziel positive Konsequenzen verbunden (Anerkennung, Qualifikation für andere sportliche Wettbewerbe, materielle Anreize etc.). Insofern sollte das Ziele setzen aus eigenem Antrieb erfolgen und nicht direkt oder indirekt fremdbestimmt werden. Jeder Athlet sollte für sich die Frage klären, warum es „sinnvoll“ ist, so viel Zeit und Anstrengung in Training & Wettkampf zu investieren. Ist dieser Aspekt geklärt und idealerweise verschriftlicht oder visualisiert, ist eine hohe Leistungsmotivation im Normalfall gegeben.
  3. Schlechtes Zielmanagement: Ziele sollten immer wieder auf Erreichbarkeit geprüft werden. Ändert sich Rahmenbedingungen, z.B. durch eine Verletzung oder ausbleibende Leistungsentwicklung, müssen Ziele nach untern korrigiert werden. Nach oben natürlich auch, wenn z.B. die Leistungsentwicklung überplanmäßig gut verläuft. Gutes Zielmanagement bedeutet aber auch, Ziele zeitlich und nach Stellenwert zu unterteilen: Neben Jahreszielen (= 2 bis 3 echte Höhepunkte), sollten im Leistungssport langfristige Ziele (2 bis 4 Jahre) und auch kurzfristige Ziele (z.B. für 10-wöchige Trainingsetappen) Berücksichtigung finden. Letztere sind oft Meilensteine auf dem Weg zum größeren Ziel. Darunter befinden sich häufig auch Prozessziele, also Ziele, die als „erledigt“ markiert werden können. Beispiel: „In den nächsten 4 Wochen sichere ich einen Trainingsumfang von 10 Stunden / Woche“. Präzisere qualitative Aspekte hierbei selbstverständlich auch einfließen. Weitere Fallstricke: zu generelle Ziele (s.o.), zu leichte oder zu schwere Ziele, fehlende mentale Vorbereitung, um auftretende Hürden zu überwinden (z.B. „Wie verhalte ich mich bei einer Verletzung / Krankheit?“, „Was tue ich, wenn ich beruflich zu stark eingebunden bin“ etc.). Und: Zwischenresultate und Feedback werden ignoriert.

Der Umgang mit Zielen bedarf also eine Menge Erfahrung und Anleitung. Die US-amerikanische Sportpsychologin Carrie Cheadle stellt auf Ihrer Webseiten kostenloses Arbeitsmaterial zur Verfügung, das beim persönlichen Umgang mit Zielen begleitet. Die Checklisten könnt ihr auch in meinem persönlichen Evernote-Umfeld einsehen. Als begleitendes Medium empfehle ich ihr Buch „On Top of Your Game“.

Wünsche Euch viel Spaß und Leidenschaft beim Ziele setzen und vor allem erreichen!

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